[Pressespiegel] SPD-Kandidaten: Zweimal entschied nur eine Stimme

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Spannender Showdown im SPD-Parteihaus an der Fischerfeldstraße: Bei der Nominierung der sechs Frankfurter Landtagskandidaten gab zweimal eine einzige Stimme den Ausschlag. Die Kandidatinnen stellen eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Frankfurt. Zwei Platzhirsche verteidigten ohne Gegenkandidatur ihr Revier bei der Nominierung für die SPD-Direktkandidatur zur Landtagswahl 2018. Der eine war der SPD-Unterbezirksvorsitzende Gernot Grumbach. Der 65-Jährige gehört seit 2003 dem Landtag an. Der zweite war Turgut Yüksel (61), der ebenfalls bereits im Landesparlament sitzt. Grumbach wurde im Wahlkreis 35 (Bockenheim, Hausen, Heddernheim, Niederursel, Praunheim und Rödelheim) mit großer Mehrheit nominiert. Ebenso Yüksel im Wahlkreis 36 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Dornbusch, Eschersheim, Gallus, Ginnheim, Gutleutviertel, Innenstadt und Westend). Beide dürfen mit guten Plätzen auf der SPD-Landesliste rechnen. Obwohl eine Newcomerin im Wahlkreis 38 (Bornheim, Nordend und Ostend), hatte auch Arijana Neumann keinen Gegenkandidaten. Sie ist Referentin im Büro von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Then gewinnt knapp
Neumann kann hinter Grumbach und Yüksel als Frau mit dem drittbesten Frankfurter Platz auf der Landesliste rechnen. Dieser Rang könnte noch zum Einzug in den Hessischen Landtag reichen. Schwieriger dürfte es für die anderen drei Genossinnen werden. Sie müssen ihren Wahlkreis jeweils direkt gewinnen, was der SPD lange nicht gelungen ist.

Am spannendsten war die Nominierung im Wahlkreis 37 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen, Flughafen und Schwanheim). Innerparteiliche Querelen prägten lange den größten Frankfurter SPD-Ortsverein Sachsenhausen. Nun bewarb sich Stefanie Then, hinterbliebene Lebensgefährtin des bekannten Fluglärmgegners Ralf Heider. Heider starb am 12. April 2014 mit 51 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt. Then, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Niederrad, will sein politisches Erbe, den Kampf gegen den Fluglärm, fortsetzen. Die 49-Jährige nannte also die Verkehrspolitik als ihr wichtigstes Thema, das sie in den Landtag bringen will. Die Sprecherin des „Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Fluglärm“, will allerdings auch etwas gegen den Lärm durch Auto- und Bahnverkehr tun. Then will sich zudem für eine andere Strukturpolitik einsetzten. Der ländliche Raum müsse stärker gefördert werden, um den Metropolen den Bevölkerungsdruck zu nehmen, sagte sie. Prompt machte Then ihr Gegenkandidat, der 22-jährige Vinzent Hofmann, Jura-Student und Flugbegleiter, den Vorwurf, sie wolle Menschen separieren. Hofmann setzte auf das Thema Bildung, das die meisten SPD-Bewerber in das Zentrum ihrer Rede stellten. Der 22-Jährige warb auch mit seiner Jugend. Kein Abgeordneter im Landtag sei jünger als 35 Jahre, sagte er. Der Delegierte Helmut Tschampa hielt dem bestens präparierten Hofmann entgegen, dass es nicht allein auf Eloquenz ankomme. „Stefanie Then steht für uns seit Jahren bei den Montagsdemonstrationen im Feld.“ Am Ende stimmten 26 Delegierte für Then, 25 für Hofmann.

Schmitt unterliegt
Auch im Wahlkreis 34 (Griesheim, Höchst, Nied, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim) entschied eine Stimme. Petra Scharf gewann mit 19 zu 18 Stimmen gegen Hubert Schmitt, den SPD-Landtagskandidaten des Jahres 2013 in diesem Bezirk. Die 54-Jährige stellte damit gewissermaßen die Familienehre wieder her. Bei der vergangenen Landtagswahl verlor ihr Ehemann, der SPD-Schatzmeister Roger Podstatny, die Kampfkandidatur um das Direktmandat gegen Schmitt.

Ebenfalls knapp gestaltete sich der Ausgang im Wahlkreis 39 (Bergen-Enkheim, Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Fechenheim, Frankfurter Berg, Harheim, Kalbach, Nieder-Erlenbach. Dort war Andrea Ypsilanti nicht mehr angetreten. Susanne Kassold (55), ehemalige Stadtverordnete und jahrzehntelange Ortsbeirätin, gewann gegen Stefan Marx (39) mit 30 zu 29 Stimmen. Kassold, Tochter eines Polizisten, aber auch Marx, Mitarbeiter der Deutschen Bank, forderten bessere Arbeitsbedingungen für Polizisten sowie eine Volleinhausung der A 661, um den Verkehrslärm einzudämmen.